Seiteninhalt
Leserbrief von Dr. H. Mommsen
Entscheidung kontra Schliersee ist eine Ohrfeige für alle Familien
„Ein Ort, eine Schule;" Heimatzeitung vom 25. Juni.
Wir, eine Familie mit drei Kindern, haben uns aus beruflichen Gründen entschlossen, nach Schliersee zu ziehen. Mit großem Interesse haben wir daher die Diskussion um den Schulstandort verfolgt und sind vom Ergebnis und dem Weg dorthin mehr als ernüchtert. Es ist bestürzend, dass eine Schule in Schliersee ausschließlich als unangenehmer Kostenfaktor gesehen wird. Die eigentliche Bedeutung einer Schule wird überhaupt nicht wahrgenommen.
Zu den offenen Fragen bezüglich der Kosten: Gibt es zu den Kosten für die Erweiterung in Neuhaus von angeblich 900 000 Euro seriöse Berechnungen? Was ist mit den Kosten für den dann notwendigen Turnhallenbau? Wurde die dann dringend notwendige Verbesserung der Verkehrserschließung in Neuhaus mit eingerechnet? Ist als Alternative ein kleinerer Neubau in Schliersee seriös durchgerechnet? Woher stammt die Zahl von zwei Millionen Euro Sanierungskosten für das Schlierseer Schulhaus? Wäre eine Sanierung in kleinerem Umfang nicht auch möglich? Und können nicht berechtigte Zweifel geäußert werden, wenn die Gemeinde die Aufträge nicht ausschreiben muss? Jede Gemeinde wird ohne Zuzug auf Dauer mit sinkenden Einwohnerzahlen
zu kämpfen haben. Einige Gemeinden investieren daher erfolgreich in die familienpolitische Infrastruktur, zu der an erster Stelle Schulen zählen, um junge Familien an sich zu binden. Dadurch bleibt die Einwohnerzahl gesichert, und es kommen neue wirtschaftsstarke Steuerzahler dazu. Diese Zusammenhänge hat die Marktgemeinde Schliersee (noch?) nicht begriffen. Eine Schule gehört zu einem so traditionsreichen Ort wie Schliersee zum Ortsbild wie Rathaus und Kirche. Ohne Schule entwickelt sich Schliersee mehr und mehr zum touristischen Museum mit einer weiteren Ruine. Im Wohnortsteil Neuhaus kann dafür dann auch ein Teil des Kurparks für die Turnhalle geopfert werden.
Die Entscheidung kontra Schliersee ist eine Ohrfeige für alle Familien in Schliersee, aber auch eine Ohrfeige für alle anderen Schlierseer. Die Beschlüsse des Bürgerbegehrens vor etwa zehn Jahren gegen das neue Schulzentrum in Schliersee wurden nicht umgesetzt und jetzt sogar umgedreht. Es mussten sogar Fördergelder zurückgezahlt werden, da die beschlossene Sanierung in Schliersee nicht durchgeführt wurde. Und nicht wenige werden sich darüber ärgern, wie viel Geld in der vitalwelt versunken ist, und dass jetzt die Schule dafür herhalten muss. Die Einzigen, die von der Entscheidung gegen Schliersee wirklich profitieren, sind die Lehrer und die Schulleitung. Mit nur einem Standort haben sie es nachvollziehbar bequemer. Hätten wir geahnt, wie unbedeutend (lästig?) Familienpolitik in Schliersee gehandhabt wird, hätten wir uns eher für einen anderen Ort entschieden. So aber machen wir Schliersee um fünf Einwohner größer und werden daher für unsere Interessen kämpfen.
Dr. Helge Mommsen
noch Aschheim bald Schlier
