Seiteninhalt
Leserbrief von Herrn Pfarrer Giglberger

Das Thema einer Volksschule im Ort ist ein eminentes Thema mit einer sehr tiefen Bedeutung. Unsere Kinder von der l.bis zur 4.Klasse sind noch sehr an engere Räume, erfassbare, überschaubare und mit mitmenschlichen Bindungen in nachbarschaftlicher Nähe erfüllte Lebensbereiche geprägt. Sie sind noch keine Wesen, die (darf ich es etwas drastisch ausdrücken) wie die arbeitende Bevölkerung "herumgekarrt" werden sollte. Sie sollten ihre engere Heimat am Ort erleben können und dürfen und nicht im Shuttle-Dienst stundenplanmäßig transportiert werden. Heimat ist etwas, was Ruhe braucht, heute mehr denn je. Unseren Kindern wünsche ich diese Ruhe in den ersten vier Jahren. Es ist gut, wenn sie die Schönheiten und das örtliche Miteinander der Menschen, die Schliersee bewohnen dürfen, in diesen Jahren in ihr Leben aufnehmen können, wenn die Straßen und Plätze, die Ecken und Winkel ihres Ortes zur Heimat in ihren Seelen werden. Heimat ist eine Köstlichkeit, die unserer jungen Generation eine "nahe Erinnerung" werden darf.
So meine ich, dass der Standort einer Schule für diese Kinderjahre nicht von der Rentabilität und der Logistik in erster Linie geprägt sein sollte, sondern von der entwicklungspsychologischen Seite unserer Kinder. Wir alle wünschen unseren Kindern doch eine glückliche Zeit. Hart wird das Leben zur rechten Zeit! Als Pfarrer möchte ich ein Licht auch auf die religiöse Erfahrung der Kinder in diesen Jahren werfen. Die Kirche als Mittelpunkt im Ort; dieses Haus des Gebets dürfen unsere Kinder auch heute lebendig kennenlernen - in ihrer Nähe, im Lauf der Jahresgezeiten mit ihren Festen, mit ihrer Ausstrahlung, unsere Kirche mit ihrer festlichen Schönheit, ob Advent, Weihnachten, Fastenzeit und Ostern, Fronleichnam u.s.w., die Schulgottesdienste als Momente des Dankes und der Freude, aber auch die Feste der Erstkommunion und der Firmung, der Taufe und selbst die Gottesdienste als Abschied von einem lieben Menschen, der heimgegangen ist. Das wird alles in "ihrer Kirche", "ihrem heimatlichen Gotteshaus" gefeiert. Da wird Glaube konkret am Ort, in meiner Kirche, die mir Heimat geworden ist. Lasst doch wenigstens die Grundschule der Schlierseer Kinder hier im Ort und lagert sie nicht aus Gründen, die an den Kindern vorbeigehen, nach Neuhaus aus! Wenn die Pädagogen im Sinne der Kinder denken, dürften sie meine Argumente nicht als welt-und kinderfremd anerkennen. Das Leben der Kinder steht über jeder nackten Organisation. Lasst den Kindern ihre engste Heimat in den vier ersten Schuljahren.
A. Giglberger, Pfarrer
