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Leserbrief zu den Artikeln im Miesbacher Merkur vom 24. und 25. Juni und 2. Juli 2009
Leserbrief zu den Artikeln im Miesbacher Merkur vom 24. und 25. Juni und 2. Juli 2009
Heute meldet sich also euer dahinsiechendes, multimorbides zur Beerdigung schon lange freigegebenes Schulhaus. In guter Gesellschaft im Bermudadreieck der Bauruinen des Ortes fühle ich mich hier recht wohl. Seit über 100 Jahren stehe ich am Platz, habe die meisten Schlierseer BürgerInnen kommen und gehen sehen und nun habe ich trotz einer neuen Feuerleiter und so mancher Schönheitsoperation den anscheinend Kampf verloren. Dabei verstehe ich die ganze Diskussion über mein Ende nicht - habt Ihr Bürger doch einst ganz klar für mich u n d Neuhaus gestimmt, uns gab es doch nur im Doppelpack! So schnell ändern sich die Zeiten, so schnell werden Versprechen begraben. Im Matheunterricht scheinen manchmal nicht alle dabei gewesen zu sein, denn zumindest die Grundrechenarten habe ich doch, ich meine mich jedenfalls zu erinnern, vermittelt. Die Opportunitätskosten (z. B. Gegenstandswert Kurpark Neuhaus) habe ich wohl vergessen, während ich mich beim Kapitel „wie rechne ich mir das Ergebnis schön“ wohl viel zu lange aufgehalten habe. So scheint eine Investition von 900 T€ abzüglich des Zuschusses mit einem Eigenanteil der Gemeinde, der mit 100 T€ bemessen ist, nicht als eine kompetente Investitionsrechnung sondern vielmehr als eine fragwürdige Schätzung. So bleiben beispielsweise jegliche Kosten für die technische Infrastruktur (Verkehr), für die zusätzlich benötigten Fachräume und der nun zwingend zu errichtenden Turnhalle unberücksichtigt.
Bedauerlicher Weise fehlt zu allem Überfluss meinen Totengräbern eine mit Leben gefüllte Vision für den Ortskern und so werde ich auch noch ein paar andere mit ins Grab reißen müssen. Und die hochgelobte Entscheidung fürs Kind ist nicht kinderleicht sondern vitalweltschwer. Vitalweltschwer daher, weil vermutlich der Platz für die geplante Turnhalle jetzt als Parkplatz dienen muss. Der Slogan für den Grundschulstandort Schliersee „kurze Beine - kurze Wege“ wurde durch „kurze Beine, lange Buswege“ zugunsten eines beamtenfreundlichen Stundenplans - der Schülertourismus lebe hoch – ersetzt. Das alles in einer Zeit in der mit allem Nachdruck versucht wird, die Ökobilanz ins Gleichgewicht zu bringen. Wenn ihr nun alle sagt, dass ich in Schliersee nicht mehr gebraucht werde, kann ich euch aus meiner Erfahrung sagen, dass sich eure, selbst erfüllende Prophezeiung des Schülerrückgangs langfristig auch erfüllen wird - ein Zustand kann durchaus auch herbeigeredet werden. So wird aus dem Fremdenverkehrsort, indem wir Gäste nicht als „Fremde“ begrüßen wollen, vielleicht bald ein kinderloser Wohn- und Schlafort ohne Eigenleben. Schliersee – sie werden entgeistert sein. Und ich dachte immer, wir legen hier in meiner Schule den Grundstein für eine ehrliche, heimatverbundene, gerechte und kritische Persönlichkeitsbildung. Denen die zu mir halten, - viele haben auch andere Schulen besucht - möchte ich hier an dieser Stelle für ihr Engagement danken. Ja, ich bin wirklich in die Jahre gekommen, und es ist an der Zeit, etwas zu machen. Aber ich hätte es den Familien, den Kindern und dem gesamten Ort vergönnt mich oder einen kleinen Nachfolger von mir im Ort zu haben. Einen Mittelpunkt im Gemeindeleben, einen Ort der Begegnung, ein Gemeindezentrum für Kinder, Vereine und viele andere.Meinen Mitstreitern ist nahegelegt worden, diese Entwicklung doch als Chance zu sehen. Die Kinder seien dann weg und dann könne man endlich mit einer „Ortskernsanierung“ beginnen. Doch heart of the town (=Ortskern auf Englisch) hergeleitet mit dem Wort Herzstück bedeutet eben Leben und nicht langsam sterben. Vielleicht gibt es noch eine Hoffnung für ich – totgelaubte leben meist länger. Ich danke Herrn Lauterer, dem Namensgeber der Straße, der mich seinerzeit aus eigenen Mitteln finanziert hat, weil auch schon damals nicht ausreichend Geld und Interesse für die Kinder da war. Mensch Schliersee – es muss doch auch in Zeiten wie diesen, couragierte geben, die gegen den Strom schwimmen und die Weichen für die künftige Attraktivität Schliersees als Wohn- und Urlaubsort stellen. Euer altes, aber stolzes Schulhaus.
Herzlichst, Initiative Fuiz`n Schliersee
