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Feuer unterm Dach

VOLKSSCHULE MIESBACH

Miesbacher Merkur (16.12.08)
Mangelhafter Brandschutz:
Stehen vier Förderklassen nach Weihnachten auf der Strasse?

von Sascha Karowski


Schliersee - Es droht eine schöne Bescherung - und zwar nach Weihnachten: Die vier Klassen der Anton-Weilmaier-Schule, Hausham, die bis hierhin noch in den Räumen der Volksschule Schliersee untergebracht sind, könnten bereits nach den Winterferien sprichwörtlich auf der Straße stehen. Grund ist der mangelhafte Brandschutz in dem alten Schulhaus.

Auslöser des angedrohten Ad-hoc-Auszuges ist das Landratsamt Miesbach. Manfred Kreuzmayr, Rektor der Volksschule: "Das Amt hat festgelegt, dass wir die beiden oberen Stockwerke nach den Winterferien nicht mehr nutzen können. Ob die Verantwortlichen noch mit sich reden lassen, kann ich nicht beurteilen."Die Förderschule ist mit vier Klassen im Schulhaus Schliersee vertreten. Die Volksschule selbst stellt fünf Klassen, zehn Räume sind vorhanden, gleichmäßig verteilt auf Erdgeschoss und erstes Stockwerk. Im zweiten Stock befindet sich die Mittagsbetreuung, die aber laut Kreuzmayr einen Anschluss an beide Treppenhäuser und somit im Brandfall eine Fluchtmöglichkeit hat. Der erste Stock hat das nicht. Im Erdgeschoss allein ist nur Platz für fünf Klassen.

Herbert Wilgermein, Rektor der Förderschule, ist ob der kurzfristigen Maßnahme verstimmt: "Es ist eigentlich ein Skandal. Die Gemeinde weiß das seit 18 Jahren und stellt jedes Jahr aufs Neue Geld für eine Schulsanierung in den Haushalt ein. Und jetzt sollen wir von heute auf morgen raus.

Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer be-chwichtigt indes: "Der Auszug ist nur eine von zwei Möglichkeiten." Im Sommer gab es eine Begehung, da sich der Wunsch manifestiert habe, das Schulhaus zu sanieren. Ein Brandschutz-Gutachten wurde erstellt, das die Mängel detailliert benennt.

Das Landratsamt als Aufsichtsbehörde habe am 8. Dezember über diese Mängel Kenntnis erhalten. Pressesprecher Frank Skodczinski: "In dem Moment müssen wir handeln." Nun liege es an der Gemeinde, den Brandschutz sicherzustellen, damit der "Schulbetrieb nicht zur Diskussion steht". Von einer Frist will Skodczinski aber nicht sprechen. "Es ging um die Unmittelbarkeit, so schnell wie möglich", sagt er. Natürlich sei auch klar, wenn bauliche Maßnahmen durchzuführen sind, lege man diese meist in die Zeit, in der kein Schulbetrieb stattfinde. "Einige kleine Sofortmaßnahmen kann sicherlich der Bauhof erledigen", so Schnitzenbaumer. Angedacht sind etwa eine Fluchttreppe außerhalb des Gebäudes und entsprechende Notausgänge. Die Alternative sei der Auszug. Schnitzenbaumer: "Ich habe mit Herrn Wilgermein gesprochen, ob ein Auszug grundsätzlich möglich ist." Und der sagt: "Wir sind momentan schwer beschäftigt, eine Lösung zu finden." Für die vier Förderschul-Klassen gebe es derzeit nur die Möglichkeit, ins Schulhaus der Volksschule nach Neuhaus umzusiedeln. "Wir müssten zusammenrücken und Fachräume aufgeben", so Kreuzmayr. In Hausham ist jedenfalls kein Raum. Bürgermeister Hugo Schreiber: "Wenn ich Platz für vier Klassen hätte, müssten die nicht nach Schliersee ziehen. Ich kann mir keine Zimmer aus dem Hut zaubern."

Wie Wilgermein noch betont, sei der Umzug nach Neuhaus eine "Zumutung für Schüler und Lehrer. Der weitere Weg von Hausham nach Neuhaus kostet täglich eine Viertelstunde Schulzeit". Die Schüler laufen nämlich bislang zunächst in Hausham auf, von wo sie dann nach Schliersee gebracht werden.

Raus muss die Förderschule aber so oder so, denn die Gemeinde hat den Mietvertrag zum Sommer gekündigt. Schnitzenbaumer erklärt: "Wir mussten den Vertrag jetzt einfach kündigen, wenn ich nicht weiß, was wir machen. Es kann auch sein, dass wir es nicht hinbekommen und den ersten Stock dann schließen müssen."