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Mitte mit Leben
Miesbacher Merkur vom 07.07.10
Schliersee - Wie sieht die Zukunft von Schliersees Ortsmitte aus, und wie sieht die Ortsmitte von Schliersee in Zukunft aus? Fragen, mit denen sich der Arbeitskreis Ortskern-Erneuerung befasst hat und weiter befassen will. Um der Öffentlichkeit das vorzustellen, „wofür wir da sind und wofür nicht" (Bürgermeister Franz Schnitzen-baumer), hatten die Organisatoren um Schliersees Rathaus-Chef zum ersten Bürgerforum in die Schlierseer vital-weit eingeladen.
Dort zeigt zudem eine Bilder-Ausstellung im Eingangsbereich historische Aufnahmen neben aktuellen Fotos der Marktgemeinde. Und eines der Ziele der Arbeitsgruppe mag sich auch in jenen Aufnahmen wiederfinden: Neues schaffen, Traditionelles bewahren.
Der Arbeitskreis ist einst aus der Bürgerbewegung für den Erhalt des Schlierseer Schulhauses hervorgegangen. „Es ist schnell klar geworden, dass es nicht nur um die Schule geht, sondern um die ganze Ortsmitte. Warum soll die Gemeinde sich das nicht zunutze machen, wenn die Bürger Ideen haben?", hinterfragte Schnitzenbaumer.
Die deklarierte Ortsmitte umfasst die Bahnhof- und Lautererstraße in Schliersee. Der Arbeitskreis hatte sich in den vergangenen Wochen just dort im Herzen der Marktgemeinde die Geschäfte und Einrichtungen angesehen und aufgelistet. „Wir sind auf 88 gekommen, es kann aber sein, dass wir auch etwas übersehen haben", sagte Arbeitskreis-Mitglied Alois Maichel. 88 Einzelhändler oder soziale wie auch Freizeiteinrichtungen, die die Mitte der 6500-Einwohner-Gemeinde lebendig machen. „Andere würden sich die Finger danach ablecken", so Schnitzenbaumer. Und so weit muss man da gar nicht schauen. Maichel: „Man sieht es an Gmund, wie die darum ringen, ihren Ortsmittelpunkt wieder mit Leben zu füllen." Diese Aufstellung soll nun der Ausgangspunkt sein für eine Reise hin zu einer zukunftsfähig gestalteten Ortsmitte. Mitten im Reiseverkehr steckt derzeit die Gemeinde Marquartstein (Landkreis Traunstein). Deren zweiter Bürgermeister Günter Richter war für einen Erfahrungsbericht nach Schliersee gekommen. Mit der Städteplanung und der Belebung der Ortsmitte hatte Marquartstein vor vielen Jahren begonnen. „Wir sind mittendrin, bei dem, was Ihr noch vorhabt", sagte Richter. Bei den vielen Problemen, die auf eine Gemeinde zukommen könnten, sei eines ganz entscheidend: die Bürger auf die Reise mitzunehmen, „sonst könnt Ihr es vergessen".
Eine weitere Station des Reiseweges werden die Studenten des Münchner Architektur-Professors Ulrich Holzscheiter sein. Im kommenden Wintersemester werden sich diese mit der Ortsentwicklung Schliersees befassen. Als Redner war Holzscheiter ebenfalls zum Bürgerforum gekommen, um gleich mal die Erwartungen zu bremsen. „Wir können allenfalls dann Denkanstöße geben."
Christoph Seidenfuß vom Arbeitskreis freute sich schon auf die „konstruktive Unruhe", wenn die Ideen der Studenten auf die der Schlierseer Bürger treffen. Seidenfuß betonte, wie wichtig der Faktor Zeit sei. Das gelte sowohl für die Ideenfindung als auch den Städtebau-Prozess, ergänzte Torsten Sievers von der Regierung von Oberbayern.
Seidenfuß stellte im Anschluss die Ergebnisse einer Umfrage vor. 80 örtliche Vereine und Gruppen hatte der Arbeitskreis angeschrieben. Die Mitglieder wollten wissen, was die Vereine sich für die Zukunft wünschen, und was sie bereit wären dafür aufzubringen. Das Ergebnis passt auf mehrere DINA4-Seiten: Räume zum Proben, Turnen, zum Einlagern von Instrumenten, Büchern oder der wertvollen Trachtenkleidung. Zusammengefasst laufen die Wünsche wohl auf ein Haus der Vereine oder ein Bürgerhaus hinaus.
In den nächsten Schritten sollen die Ergebnisse so aufbereitet werden, dass der Gemeinderat das weitere Vorgehen beschließen kann. Wann konkret mit dem Ankauf von Grundstücken oder Gebäuden wie etwa der Post begonnen wird, ist völlig offen. Die anwesenden Bürger jedenfalls wirkten zufrieden mit den Ergebnissen der bisherigen Arbeit.
