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Nach dem Bürgerentscheid
von Christoph Seidenfus

106 Stimmen Unterschied beim Bürgerentscheid? Da lässt sich schwerlich von Gewinnern oder Verlierern sprechen. Die Marktgemeinde ist tief gespalten bei der Frage, wo der Schulstandort für die kleinsten unserer Schulkinder künftig sein sollte. Und die Schlierseer aus dem Ortsteil Schliersee wollten Ihren Schulstandort behalten und haben weder der Mehrheit des Gemeinderates noch dem Plädoyer Ihres Schulleiters Glauben geschenkt.
Nun ist es so – Demokratie bedeutet, dass irgendwann Entscheidungen fallen, die für alle bindend sind. Und weil das so ist haben Franz Schnitzenbaumer und ich uns sehr schnell darüber verständigt, den Blick gemeinsam nach vorn zu richten. Folgerichtig fand am 5. November eine erste gemeinsame Arbeitssitzung statt. „Quo vadis, Schliersee, wohin geht der Weg?“ war das Motto des Treffens in der Vitalwelt. 9 Mitglieder der Bürgerinitiative und 9 Gemeinderäte tauschten ihre Sicht auf die Dinge aus, die neben der Schulstandortsentscheidung wichtig waren:
- Wo würde künftig Schul- und Wettkampfsport stattfinden?
- Wo würden Vereine Unterstützung und Räume für ihr Wirken finden?
- Wie würde die Gemeinde für den Zuzug von Familien mit Kindern attraktiv bleiben?
- Welche Optionen würde die Schliersee Jugend bekommen?- Wo könnte die Gemeinde die bis 2013 notwendigen weiteren Kita-Plätze zur Verfügung stellen?
- Wie kann man Schliersee ein lebendiges Zentrum für eine gesunde Ortsentwicklung geben?
Man merkt schnell, dass sich solche Fragen nicht nach dem alten Muster von „Problem > Lösung“ beantworten lassen. Und so war man sich in der Vitalwelt auch schnell darüber einig, dass die nächsten Monate genutzt werden sollten, einmal ganzheitlich über die Entwicklung des Hauptortes nachzudenken. Beispiele dafür gibt es in der Nachbarschaft schließlich genügend: Der Weyarner Bürgermeister und sein Gemeinderat holen über 1 Million € als Fördermittel für Kitaplätze ins Dorf, in Gmund findet eine Zukunftskonferenz mit Gemeinderäten und Bürgern statt, um herauszufinden, wie man den Ort langfristig entwickeln möchte.
Da liegt es auf der Hand, auch in Schliersee Gemeinderäte, Bürger, Vereinsvertreter und Anlieger an einen Tisch zu bringen und sich daran zu erinnern, dass Schliersee ja durchaus über ein weit gediehenes Städtebauförderungsprojekt verfügt – zwar an Kostenfragen der Bahnhofstraße seinerzeit steckengeblieben, aber immerhin durchgeplant. Und einmal angenommen, man würde die damaligen Pläne wieder aufgreifen, verändern, ergänzen und aktualisieren, neu darüber nachdenken, welche Akzente dem Ort guttun werden? Die Regierung von Oberbayern hat uns deutlich ermutigt, diesen Weg zu gehen, wieder mit neuen Ideen vorstellig zu werden.Natürlich weiß auch der verfasser, wie leer die Gemeindekassen derzeit sind. Aber wer nur die Frage der Finanzierbarkeit stellt, wird gar nicht erst auf gute Ideen kommen, blockiert sich selbst in einer „und wie soll das gehen?“-Haltung. Daher braucht es jetzt die gedankliche Freiheit, gemeinsam zu überlegen, wie eine bestmögliche Antwort auf alle diese Fragen aussehen kann, was man Schliersee geben muss, damit sich das Gemeinwesen in allen drei Ortsteilen gut entwickeln kann.Es ist eine Chance, einen wirklich guten Wurf zu wagen – oder das Risiko, angesichts lauthalser Einwände in der Mittelmäßigkeit steckenzubleiben. Danach – viel später – hat auch die Frage nach dem Geld ihre Berechtigung.
Es wird drei Dinge brauchen:
- Dem Gemeinderat wäre zu wünschen, sich eine Klausur zu gönnen, um einmal abseits der in letzter Zeit immer volleren Tagesordnungen die Muße zu haben, sich darüber klar zu werden, in welche Richtung man die Gemeinde entwickeln möchte.
- Der Verwaltung wäre zu wünschen, sich angesichts zunehmender Komplexität von einfachen Aufgaben über ein internetgestütztes Projekt „Gläserne Verwaltung“ von einfachen Verwaltungsaufgaben zu entlasten und mehr zeit für die wirklich wichtigen Aufgaben zu haben: Die Gemeinde zu entwickeln, von erfolgreichen Gemeinden zu lernen und mit den Bürgern noch viel stärker als bisher zu reden.
- Schliersee wäre zu wünschen, weniger zu diskutieren sondern mehr anzupacken und das auch sichtbar zu machen. Über 6000 Menschen leben hier, die, wenn man sie direkt anspricht, in der ganz überwiegenden Mehrzahl bereit sind, sich zu engagieren. Man muss Ihnen nur sagen, wofür, muss sie gewinnen für eine Idee von Zukunft, die attraktiv ist und das Leitbildversprechen einlöst:
„Wir arbeiten aktiv in unserer Gemeindepolitik mit und
gestalten unsere gemeinsame Zukunft.“
Bürgermeister und Bürgerinitiative haben sich die Hand gegeben. Es wird darauf ankommen, ob Gemeinderat, Gemeindeverwaltung und die Bürgerinnen und Bürger der Marktgemeinde ebenfalls in den Händedruck einschlagen.
